Mittwoch, 21. August 2019

Ferien nur mit Papa, Gudrun Mebs


Für viele Kinder ist es nichts Besonderes mit ihrem Papa Ferien zu machen. Für die 9-jährige Maja schon, denn es ist das erste Mal. Maja lebt allein mit ihrer Mutter. Ihr Vater besucht sie regelmäßig. Aber zusammen weggefahren sind sie noch nie. 

Maja freut sich darauf, auch wenn es mit Papa nicht so einfach ist wie mit Mama. Er möchte z.B. nicht Papa genannt werden, sondern Daddy. Weil das schicker klingt. Er nennt Maja auch nicht bei ihrem richtigen Namen, sondern sagt Mausi zu ihr, obwohl Maja das nicht besonders mag. Aber das sagt sie Papa lieber nicht. Es sollen ganz schicke Ferien in einem sehr teuren Ferienhotel werden. Dort gibt es einen Pool und Ponyreiten und sogar geschulte Krankenschwestern. Wieso denn das? Nun ja, wenn Maja verreisen will, muss sie Max mitnehmen, ihren Rollstuhl. Majas Beine können nicht laufen, das konnten sie noch nie. Deshalb braucht sie trotzdem keine Krankenschwester, aber das wird Papa schon noch merken.
„Ich hab ja gedacht, heute Nacht werde ich überhaupt nicht schlafen können. Da ist zu viel im Kopf, was da hin und her wetzt. Ferien mit Papa, wie wird das sein? Geht Ponyreiten überhaupt mit meinen lahmen Beinen? Sind da auch noch andere Kinder? Hoffentlich! Mit Kindern hab ich nie Probleme, die finden meinen superschnellen Max toll, und wenn sie mal selber rollern wollen, dürfen sie das auch. Sie wollen oft. Bloß die Erwachsenen, die gucken oft so mitleidig, oder sie gucken ganz schnell weg. Ob das dem Papa peinlich ist? Hat er deshalb extra von den Krankenschwestern erzählt, die auf mich aufpassen sollen? Im Swimmingpool muss man mich ein bisschen festhalten, Mama kann das, Papa auch?“ (S. 14)
Papa und Maja fahren mit dem Auto los. Aber dann kommt alles ganz anders als geplant. Das macht Papa schlechte Laune. Doch zum Glück ist Maja ein richtiges Stehaufmännchen, wie Mama immer sagt. Denn Maja sieht meist positiv in die Welt und macht das Beste aus jeder Situation. Trotzdem müssen sich Papa und Maja ganz schön zusammenraufen, damit die nächsten Tage keine Katastrophe werden. Sie streiten sich, sie arbeiten zusammen und irgendwann lachen sie auch gemeinsam. Ganz nebenbei werden sie sich immer vertrauter, lernen einander kennen und das findet Maja richtig gut. Papa versteht nicht so viel von Kindern. Aber immerhin übt er jetzt – mit Maja.

Gudrun Mebs schreibt seit Jahrzehnten wunderbare Kinderbücher, immer in sehr liebevollem Ton. Sie lässt die Kinder ihre Geschichten selber erzählen und versteht es sehr gut, die Gedanken und Gefühle ihrer kleinen Helden lebendig werden zu lassen. Die Geschichte hat mir sehr gefallen. Maja durchlebt viele verschiedene Gefühle in ihren Ferien mit Papa, alles von Unsicherheit, Angst und Wut über Neugierde bis hin zu Geborgenheit und Freude. Alle konnte ich intensiv mitempfinden. Mit ihrer Behinderung geht sie ganz selbstverständlich um. Maja fordert Beziehung ein von ihrem Papa. Sie will wichtig sein für ihn und ihm nahe kommen. Empathisch bemerkt Maja dabei, wie schwer ihrem Vater das fällt und hat Verständnis für ihn. Sie verkneift sich manche Bemerkung oder Frage und wirkt dadurch oft kompetenter als der Erwachsene. So ein tolles, liebenswertes Kind wie Maja möchte sicher jeder gern einmal kennenlernen.

Ein warmherziges Vater-Tochter-Buch über Nähe und Lebensfreude, die beiden wichtigsten Dinge in den Ferien und auch sonst.

Ferien nur mit Papa, Gudrun Mebs, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2019, 144 Seiten, 12,00 EUR

(Die Verwendung des Coverbildes erfolgt mit freundlicher Erlaubnis des Verlags.)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Das Duell, Volker Weidermann

Volker Weidermann hat Marcel Reich-Ranicki beerbt als Gastgeber des Literarischen Quartetts. Nun beleuchtet er seinen berühmten Vorgänger ...