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Dienstag, 30. August 2022

Kreatives Schreiben am Meer, Workshop im August 2022

Diesen Sommer habe ich mich zu einem Aktivurlaub der anderen Sorte entschieden und an einem 5-tägigen Gruppenworkshop für Anfänger in kreativem Schreiben teilgenommen. Der Veranstaltungsort an der Nordsee bestimmte das übergeordnete Thema, das Meer. Seit meiner Schulzeit habe ich mich dem Schreiben von fiktiven Texten nicht mehr gewidmet, jedoch viele Sachtexte (Blogrezensionen, berufliche Texte etc.) verfasst. Auch mein vieles Lesen hat das Schreiben erleichtert

Wir haben uns mit der literarischen Form der Reiseskizze beschäftigt. Dazu verbrachten wir eine Stunde still in den Dünen mit Blick aufs Meer, um Eindrücke aller fünf Sinne zu sammeln, die wir später verarbeiteten. Ebenso wurden uns sprachliche Kniffe vorgeführt, die zu einem lebendigen Ausdruck verhelfen, der nicht abgedroschen klingt, z.B. die Transposition, bei der Adjektive in Verben oder Nomen in Verben verwandelt werden.

Meine Reiseskizze zum Thema Meer (allerdings in Australien) lest Ihr hier.

Nordsee-Feeling
 

Zum Schluss des Kurses sollte jede/r eine Kurzgeschichte verfassen, deren Aufhänger wir im Alltag unserer Umgebung suchen sollten. Mein Aufhänger war das Betreten der lieblosesten Buchhandlung, die ich je gesehen habe in dem kleinen Ort am Meer. Den Eindruck dieses Ladens habe ich in meiner Geschichte weiter verschlimmert und nenne daher nicht ihren Standort, zeige aber Fotos der Gegebenheiten, um die Geschichte zu illustrieren. Meine Buchladen-Kurzgeschichte verlinke ich hier.

Als hilfreich erwiesen sich die vom Dozenten gestellt Fragen, die wir uns als Vorarbeit für die Geschichte beantworten sollten:

-        Was passierte vorher?

-        Welche Figuren haben damit zu tun?

-        Was will die Figur, als die Geschichte beginnt? (Bedürfnis, Motivation)

-        Was kann meine Figur aktiv daran hindern, ihr aktives Bedürfnis zu erfüllen?

 

Zur Dramaturgie der Geschichte wurde uns das RDBD-Schema erläutert:

Auf ein äußeres Ereignis erfolgt eine Reaktion (R), darauf folgt eine Diskussion (D) mit sich selbst oder anderen Figuren, ein Beschluss (B) wird gefasst, der sodann in die Durchführung (D) mündet, etwa eine Handlung. Dieses Schema kann beliebig oft wiederholt werden, je nachdem, auf wie viele Hindernisse die Figur trifft.

 

Kursraum

Ich habe an den fünf Tagen einiges gelernt, ein paar kleine Texte geschrieben und festgestellt, dass mir fiktionales Schreiben Spaß macht. Ich würde wieder an einem solchen Workshop teilnehmen, da es mir gefallen hat, die handwerkliche Seite des Schreibens besser kennenzulernen. Aber den großen Drang einen Roman zu schreiben, verspüre ich nicht (anders als andere Teilnehmer:innen).

Samstag, 6. November 2021

Büchernachten - Eine Nacht in der Bachletten Buchhandlung, Basel

Meinen Traum von der Übernachtung in einer Buchhandlung wollte ich noch etwas weiter träumen, nachdem ich im Juli 2021 bereits in der Buchhandlung Schwarz auf Weiß in Buxtehude genächtigt hatte (siehe mein Artikel). Über das Internet habe ich das „Büchernachten“ der Bachletten Buchhandlung in Basel entdeckt, wofür man sich per E-Mail anmelden kann. Da ich noch nie zuvor in Basel gewesen war, habe ich das Büchernachten im September 2021 mit einigen Tagen Urlaub in der wunderschönen Stadt am Rhein verbunden, die wirklich eine Reise wert ist.

Am Samstagabend um 19 Uhr wurde ich sehr herzlich von den drei Buchhändlerinnen Claudia, Manuela und Isabella Probst in der Buchhandlung begrüßt – was für ein Empfang! Wir kamen sofort ins Gespräch, wie das unter Buchliebhaberinnen ja oft so ist. Sie zeigten mir ihre liebevoll eingerichtete Buchhandlung, deren Schaufenster von innen mit einem Vorhang verhangen war, damit ich auch ganz ungestört stöbern konnte. Eingewiesen in den Hauptlichtschalter und die Profiausstattung für die Buchnacht (Ladenschlüssel, Cuttermesser für eingeschweißte Bücher und Notfalltelefonnummer) konnte das Lesefest beginnen!

Toll ausgestattet war aber auch der Bereich hinter dem eigentlichen Laden. Dort befindet sich eine
kleine Wohnung mit einem Zimmer zum Schlafen (Luftmatratze mit Bettzeug lagen bereit), einem Bad und einer voll eingerichteten Küche. Der frühere Inhaber der Buchhandlung hat dort selbst gewohnt. Heute dient der Bereich u.a. als Buchlager. In der Küche erwartete mich ein wunderbares Mitternachtspicknick aus Kaffee, Tee, Obst, Schweizer Schoggi und Knabbergebäck!

Mit einer Tasse Tee in der Hand erkundete ich den Laden, der eine kleine Kiez-Buchhandlung in einem Baseler Wohnviertel ist. Natürlich gab es einen Tisch mit den Neuerscheinungen aus Belletristik und Sachbüchern, ein großes Krimiregal, Kinder- und Jugendbücher, meterweise Romane und besondere Ecken für Regionales und Geschenkbücher. Es gab kaum non book-Artikel (außer Postkarten), jeder Zentimeter war für das breite Buchsortiment genutzt. Für mich von besonderem Interesse war das große Regal, das ausschließlich Schweizer Autorinnen und Autoren vorbehalten war. Regionale Schriftsteller:innen zu entdecken liebe ich besonders, wenn ich auf Reisen bin. Und so habe ich tatsächlich jedes einzelne Buch aus diesem Regal in die Hand genommen und viele neue Leseanregungen gewonnen.

Trotz Tee und Schokolade ermüdete ich abends viel zu früh, zumal ich den ganzen Tag über Sightseeing in Basel gemacht und an einem Kulturfestival teilgenommen hatte (u.a. im Literaturhaus Basel). Besonderen Spaß hat es gemacht, im Schlafanzug noch einmal in den Laden zu schlüpfen und mir Bettlektüre auszusuchen, die ich mit auf mein Nachtlager nahm.

Im Preis der Übernachtung (120 SFr) war ein königliches Frühstück eingeschlossen, welches Manuela und Claudia Probst, die nur einige Minuten vom Laden entfernt wohnen, persönlich liebevoll für mich anrichteten. Verschiedenste Sorten frische Brötchen und Gipfeli, Müsli, Obst, Gemüse, diverse Schweizer Käse- und Fleischspezialitäten nebst Milch und Joghurt aus dem Baselland – genug für eine ganze Fußballmannschaft! Bis 12 h gehörte der Laden dann wieder mir allein, so dass ich noch viele Lesestunden genießen konnte. Zum Abschied haben wir uns erneut sehr angeregt unterhalten, ich kaufte ein paar Bücher und wollte eigentlich gar nicht nach Hause fahren.


Es war ein wunderbares Erlebnis! Familie Probst gehört zu den herzlichsten, nettesten Büchermenschen, die ich je getroffen habe und ihre Buchhandlung ist ein Wohlfühlort. Ich danke Manuela, Claudia und Isabella für das Vertrauen, mir ihren geliebten Laden zu überlassen. Sie haben mich wie eine Freundin empfangen und bewirtet. Da so wenige Buchhandlungen Übernachtungen anzubieten scheinen, habe ich mich erkundigt, ob es bei dem seit 15 Jahren stattfindenden Format schon unangenehme Zwischenfälle gegeben habe. Dies wurde vehement verneint. Kein Buchmensch, der sich für eine Übernachtung anmeldet, würde etwas zerstören oder stehlen, wurde mir versichert. Ist das nicht schön? Witzigerweise war mir die Bachletten Buchhandlung bereits in meiner Urlaubslektüre begegnet, bevor ich sie wenige Tage später zum ersten Mal betrat. In Hansjörg Schneiders Basel-Krimi „Hunkelers Geheimnis“ (Diogenes-Verlag von 2016) taucht sie als Stammbuchhandlung des Kommissars auf, einschließlich des früheren Ladeninhabers!

 


 

Wer das Büchernachten selbst erleben möchte, kann sich auf der Website des Ladens informieren. Ich kann es sehr empfehlen!

 

Sonntag, 8. August 2021

Ferien im Bücherhotel

Allein verreisen in Deutschland und dabei als Bücherfreundin auf meine Kosten kommen, das war mein Ziel. Im Gutshotel Groß Breesen in Mecklenburg-Vorpommern habe ich im August 2021 ins Schwarze getroffen! Was genau ist denn ein „Bücherhotel“? Es handelt sich um einen umgebauten Gutshof in einem kleinen Dorf, etwa 15 Autominuten entfernt von Güstrow, von Hamburg aus in zwei Stunden zu erreichen.

Kurz gesagt, es gibt auf dem Gelände eigentlich nichts, was nicht mit Büchern zu tun hätte. Bereits an der Rezeption stapeln sich Bücher und sind Bücherkisten aufgestellt. Denn in diesem Hotel darf man Bücher tauschen. Es lohnt sich also, von zuhause ein paar ausgelesene Exemplare mitzubringen, die man an der Rezeption ablegen kann. Nach einer herzlichen Begrüßung findet frau ihr geräumiges Zimmer anhand der Zimmernummern, die auf Büchern neben der Tür angeschrieben sind. Erwartet keinen Luxus, die Zimmer sind einfach und gemütlich, alles da und sauber. Dafür sind bereits die Stühle mit Stoff im Buchdesign bezogen. Genügend Leselampen sind im Zimmer vorhanden.

Die besondere Attraktion ist die Bücherscheune, ein paar Schritte vom Haus entfernt. Das große Gebäude ist komplett mit Bücherregalen bestückt, die überquellen von gebrauchten Büchern. Diese sind völlig ungeordnet, so dass der Roman neben dem Kochbuch und der Reiseführer neben dem Gedichtband zu stehen kommt. Da die Regale längst voll sind und die Gäste ja ständig Nachschub liefern, stapeln sich Bücherkisten in den Gängen. Es dürften mehrere hunderttausend Bücher versammelt sein. Systematisch ein bestimmtes Buch suchen? Unmöglich! Die Scheune ist eine Schatzkammer, der sich frau eher intuitiv nähern sollte. Ich empfehle, einfach an den Regalen entlang zu schlendern, mal ganz oben und dann ganz unten die Titel zu überfliegen, mal die unterste Kiste hervorzuziehen oder in die zweite Reihe im Regal zu linsen. So werden die Schätzchen dich finden, nicht umgekehrt. Besonders interessant für mich als Hamburgerin war, dass sich in der Scheune viele DDR-Bücher finden, die ich noch nie gesehen hatte.

Findet man ein Buch von Interesse, egal ob in der Scheune oder anderswo im Haus, kann man es getrost zum Lesen mitnehmen. Dazu eignet sich besonders gut der parkartige Garten, wo es allerlei Bänke und Liegestühle gibt, die man unter einen Baum, an den Feldrand oder mitten auf die Wiese stellen kann. Bei Regen gibt es im Haus die nach Farben geordnete Bibliothek mit Sitzgelegenheiten sowie viele andere allen zugänglichen Leseorte. Reicht die Zeit nicht zum Lesen aller interessanten Exemplare, darf man diese gegen mitgebachte Bücher tauschen und mit nach Hause nehmen.

Im Untergeschoss, dem sogenannten Gewölbe, gibt es ein eigenes Restaurant, wo den ganzen Tag in liebevoller Handarbeit gekocht und gebacken wird. (Probiert den Kuchen!!) Zum Frühstück wartet ein kleiner Tisch mit meinem Namen auf mich, nebst Salzstreuer in Form einer Eule oder eines Goethekopfes. Der Frühstücksraum ist mit Buchtapeten verziert, im ganzen Haus sind Gemälde mit lesenden Menschen aufgehängt und kleine Kreaturen, die lesen, bevölkern jede Oberfläche. Überall gibt es gemütliche Sofas, Tische und andere Sitzgelegenheiten, so dass man lesen kann, wo man geht und steht.

Außer dem ganzen Inventar muss die Seele dieses Hauses erwähnt werden: Die Menschen. Conny und Torsten Brock betreiben dieses „große Zuhause“ mit viel Liebe, lesen ihren Gästen Wünsche von den Augen ab und beschäftigen Mitarbeiter:innen, die es ihnen gleichtun. Ich fühlte mich gleich zuhause und als Teil der Familie aufgenommen. Mit Großzügigkeit und Freude teilen die Brocks ihr Haus, ihre Bücher und ihre Ideen mit ihren Gästen. Bei einer Führung zeigten sie uns das angrenzende Grundstück, auf dem ein ausrangierter Eisenbahnwaggon aufgestellt wurde, der zur Nutzung als Literatursalon umgebaut wird. Ein Förderverein ist darum bemüht, das Grundstück zu gestalten. Ein Ofen zum Brotbacken soll bald hinzukommen, vielleicht ein Weidendom, eine alte Telefonzelle („aber nur für Selbstgespräche“) steht bereits, in der Tauschbücher warten.

Und dann gibt es noch „Connys Wunderland“. Von der Absperrung mit einer VIP-Kordel braucht frau sich nicht abschrecken zu lassen. Conny überlässt den Schlüssel zu ihrem Heiligtum im Untergeschoß bereitwillig auf Anfrage. In den unteren Räumen herrscht Ordnung, dort sind die Bücher säuberlich sortiert. Da gibt es die Belletristik-Bibliothek in einem Raum mit dunkler Ledercouch und einem Marmor-Schachbrett, die Märchen-Bibliothek, die ganz von Feen und anderen Zauberwesen beherrscht wird, die Ecke mit den Weihnachtsbüchern oder die Vitrinen mit Sammeltassen, Schreibfedern und Büchern, deren Geschichten in Buchhandlungen oder Bibliotheken spielen. Natürlich gibt es auch hier unzählige Nischen zum Herumlümmeln und Lesen, versteht sich.

 

Der geplagte urlaubsreife Mensch braucht das Grundstück nicht zu verlassen. Der Lesestoff kann nicht ausgehen, beköstigt wird man auf Wunsch den ganzen Tag. Aber wen es hinaus zieht, kann in der Umgebung wunderbar spazieren gehen, Rad fahren oder mit dem Auto Ausflüge nach Güstrow, zu Badeseen oder nach Schwerin, Rostock und Kühlungsborn machen.

Ich werde auf jeden Fall wiederkommen in diese wunderbare Oase für Lesefreunde.

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Ihr findet das Bücherhotel unter www.gutshotel.de .

Den Aufenthalt im Hotel habe ich selbst bezahlt. Mein Bericht erfolgt unbeauftragt und redaktionell unabhängig.

Sonntag, 18. Juli 2021

Übernachtung in der Buchhandlung Schwarz auf Weiß, Juli 2021

Es war schon lange mein Traum, einmal eine ganze Nacht in einer Buchhandlung zu verbringen. Endlos stöbern zu können ohne Rücksicht auf Ladenschluss, mich unbeobachtet hinfläzen beim Lesen und alles, alles erkunden und anlesen zu können, das war mein Wunsch. Lange habe ich nach einer passenden Buchhandlung gesucht, habe mit dem Einschließen für ein paar Stunden begonnen (siehe mein Artikel „Nachts in der Buchhandlung“), und nun endlich meinen Traum leben können. Dieses Wochenende habe ich in der Buchhandlung Schwarz auf Weiß in Buxtehude übernachtet!!

Es war ein Gesamterlebnis, bei dem von Anfang bis Ende alles gestimmt hat. Ich hatte bei der Inhaberin Tanja Drecke vorsichtig telefonisch angefragt, ob Übernachtungen wegen der derzeit geringen Coronainzidenz vielleicht wieder möglich wären. Sodann erklärte sie mir in unserem vergnüglichen Telefonat, dass die Buchhandlung bereits seit 15 Jahren diese Übernachtungen anbiete. Die Termine von Samstag auf Sonntag seien immer mindestens ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht. Oh je, muss ich jetzt so lange warten? Nein, sagte sie, ich könne auch an einem anderen Wochentag kommen. Und so konnte ich mit nur zwei Wochen Vorlauf von Freitag auf Samstag übernachten. Toll, wie flexibel das geht! Wer klein anfangen will, kann sich auch nur am Sonntag tagsüber in der Buchhandlung vergnügen ohne Übernachtung.

Die Buchhandlung Schwarz auf Weiß ist ideal ausgestattet fürs Übernachten, das Team ausgesprochen unkompliziert. Am Freitagabend holte ich den Ladenschlüssel kurz vor Geschäftsschluss ab, setzte mich in eines der nahegelegenen Restaurants zum Abendessen, damit das Team in Ruhe die Kasse abrechnen und aufräumen konnte, und betrat dann kurz vor halb acht allein die leere und dunkle Buchhandlung. Schon das Aufsperren mit dem „Schlüssel zum Paradies“ hatte was. Die Schaufenster waren von innen mit einem Vorhang zugehängt, so dass niemand von außen hereinsehen konnte. Ich machte die Festtagsbeleuchtung an und dachte: „Alles meins! Nur für mich!“

Ich fand im hinteren Teil des Ladens eine bezogene Matratze auf dem Boden vor (Decke und Kissen ist selbst mitzubringen), dazu ein frisches Handtuch, einen Willkommensgruß mit einer Notfalltelefonnummer, Wasser war bereitgestellt am Lesetisch mit zwei Sesseln nebst Leselampe und sogar die Klimaanlage mit Fernbedienung stand zu meiner Verfügung (wunderbar, denn es war heiß). Im Hinterzimmer befindet sich eine voll ausgestattete Küche, wo ich mir als erstes eine Tasse Tee machte, sowie ein kleines Bad mit WC und Waschbecken. Was braucht man mehr?

Wie ein kleiner, schnüffelnder Hund begann ich jeden Winkel des Ladens zu erkunden, von links nach rechts, ganz systematisch, um ja nichts zu verpassen. Neben Büchern und Hörbüchern gibt es ein großes non-book Sortiment, insbesondere Geschirr und Gläser in der Kochbuchabteilung, aber natürlich auch schöne Postkarten, Lesezeichen und Notizbücher. Das Besondere an dieser Buchhandlung ist, dass es so gut wie keine Regale gibt, in denen die Bücher nur mit dem Buchrücken zum Kunden stehen. Es ist stets das ganze Cover zu sehen. Das macht die Auswahl etwas kleiner, bringt die vorhandenen Bücher aber voll zur Geltung. Schon beim Betreten des Ladens bemerkt man den Geruch, den die Esoterikabteilung ausströmt. Dort gibt es Räucherstäbchen, die zwar im Laden nie angezündet werden, wie mir versichert wurde, die aber auch verpackt einen leichten Duft abgeben.

Nach einem Überblicksrundgang griff ich zu den Büchern, die mir gleich ins Auge gefallen waren, Querbeet, vom Kochbuch für Afternoon Tea im Stil der 1940er Jahre über ein süßes Buch mit Geschichten, Gedichten und Cartoons für Katzenliebhaber bis hin zu einem Bildband mit schönen Buchplakaten. Dann ging es in die Sachbuchabteilung, in einer Essaysammlung las ich mich das erste Mal richtig fest. Dann kamen die Romane dran. Von vielen Büchern hatte ich schon gehört, nun konnte ich sie alle einmal in die Hand nehmen und anlesen. Manche legte ich rasch beiseite – doch nicht mein Geschmack. Andere fand ich ganz toll, las längere Passagen bei einer Tasse Tee und setzte sie gedanklich auf die Wunschliste. Im Preis der Übernachtung ist ein Buchgutschein von 20 EUR enthalten, so dass ich wusste, dass ich wenigstens ein paar Bücher mit nach Hause nehmen würde. Wunderbar war das unbeobachtete Lesen. Manches Buch musste ich gleich im Stehen aufschlagen, andere las ich auf dem Tritthocker sitzend, manche nahm ich mit zum Tisch und setzte mich in einen Sessel, andere nahm ich mit ins Bett und naschte beim Lesen meine mitgebrachten Pralinen. Einfach schön! Natürlich stöberte ich auch im Abholfach im Hinterzimmer. Die Bücher der anderen sind ja immer die interessantesten…

Nach etwa drei Stunden setzten erste Ermüdungserscheinungen ein. „Nein“, dachte ich, „es ist doch noch so viel zu lesen da! Ich will nicht schlafen, ich will durchmachen!“ Aber es nützte nichts, aus dem Alter des Nächte-Durchmachens bin ich eindeutig raus. Ich schaltete die Deckenbeleuchtung aus und kuschelte mich auf der Matratze ein. Umgeben von all den Bücherregalen lag es sich wunderbar. Leise knackten im Dunkeln die gestapelten Gläser und die Regale, draußen liefen die Nachschwärmer durch die Altstadt von Buxtehude. Das Schaufensterlicht gab dem Laden einen Lichtschimmer. So schlief ich ein. Nach wenigen Stunden erwachte ich zum Glück, denn ich wollte doch unbedingt das neben mir liegenden Buch weiterlesen! Ich bediente mich sodann in der direkt neben mir befindlichen Kinder- und Jugendbuchabteilung. Ein großformatiges Sachbuch mit tollen Zeichnungen, in dem Albert Einsteins Relativitätstheorie für Kinder erklärt wird, gefiel mir ausnehmend gut. Aber irgendwie habe ich es nachts um 3 h dann doch nicht alles so ganz verstanden. Ich schlief erneut ein.

Gegen 5.30 h kam, wie angekündigt, kurz der Bücherwagenfahrer herein und brachte die großen grauen Wannen mit neuen Büchern. Er hat einen Schlüssel und stellt die Kisten im Eingang ab, bevor er wieder abschließt. Ich lag gut versteckt hinter mehreren Büchertischen und blinzelte nur kurz. Um 7h stand ich auf, machte mich frisch und ging in die letzte Runde. Ein Comicband der Mumins wollte noch gelesen werden. Außerdem habe ich mich ins Gästebuch eingetragen. Da waren manche ja sogar schon mehrmals zum Übernachten hier… Kurz nach 8 h kamen die Buchhändlerinnen, um den Laden für die Samstagsöffnung vorzubereiten. Nach einem kurzen Schwatz und einer herzlichen Verabschiedung ging ich die Straße hinunter zum Café „Süße Sünde“, wo bereits ein Tisch zum Frühstück für mich reserviert war (auch das ist im Übernachtungspreis inbegriffen). Bei strahlendem Sonnenschein nahm ich in einem Strandkorb Platz und ließ mir die Brötchen schmecken. Nun aber schnell nach Hause fahren, ehe mir noch die Augen zufallen. Den Samstag habe ich größtenteils zuhause verschlafen.

Ich habe die Nacht in der Buchhandlung sehr genossen! Es ist doch etwas ganz anderes, als während der Öffnungszeiten zu stöbern. Die besondere Atmosphäre zwischen so vielen Büchern war auch zum Schlafen wirklich schön. Ich kann dieses Erlebnis nur jeder/m Buchbegeisterten empfehlen und würde mir wünschen, dass noch mehr Buchhandlungen in Deutschland es anbieten. Natürlich erfordert es viel Vertrauen, einer/m Fremden den Ladenschlüssel zu überlassen. Aber ich denke, dass nur echte Bücherfreundinnen und -freunde sich für eine Buchung entscheiden, die so viel Respekt vor Büchern und Buchläden haben, dass sie nichts kaputt machen oder stehlen würden. Jedenfalls möchte ich das glauben, angesichts der vielen netten Buchmenschen, die ich so kenne. Mein Traum ist jedenfalls in Erfüllung gegangen und ich kann nicht ausschließen, dass ich zur Wiederholungstäterin werde.

Übernachtungs-/Buchgutschein mit Maskottchen

Ich danke ganz herzlich der Buchhandlung Schwarz auf Weiß, der Inhaberin Tanja Drecke und der lieben Frau Alberts, die mich in Empfang genommen hat, für das schöne Erlebnis und die Fotoerlaubnis. Die Buchhandlung befindet sich in der Ritterstraße 9 in Buxtehude/Niedersachsen. Die Übernachtung kostet derzeit 80 EUR inklusive Büchergutschein und Frühstück. Folgekosten durch Buchkäufe sind nicht auszuschließen. Die Übernachtung habe ich selbst bezahlt und gebe meine Empfehlung unabhängig und nicht auf Wunsch der Buchhandlung ab.

Alles überstanden?, Christian Drosten, Georg Mascolo

Die Corona-Pandemie hat uns alle geprägt, bewegt, zur Verzweiflung gebracht. Mich hat der Podcast von Christian Drosten durch die Pandemie...