Sonntag, 16. August 2020

Das Sams und der blaue Drache, Paul Maar

Das Sams gehört zu meinen Lieblingskinderbuchfiguren, mit denen ich aufgewachsen bin. Gerade ist ein neuer Band erschienen. Waaas? Paul Maar schreibt immer noch? Oh ja, der 82jährige ist nicht zu stoppen! Es ist der 10. Band über das freche Wesen mit den blauen Wunschpunkten. Das Besondere ist, dass es nicht an den vorigen Band anschließt, sondern an die Handlung des 2. Bands. Sams-Experten erinnern sich, dass Herr Taschenbier sich im 2. Band eine Wunschmaschine gewünscht hatte, mit der es allerhand Trubel gab, die dann aber explodierte und nicht mehr zu gebrauchen war. Das tat Paul Maar hinterher leid. Er wollte noch weitere Verwicklungen mit dieser herrlichen Maschine erfinden. Hier sind sie.

Das Sams langweilt sich, während Herr Taschenbier bei der Arbeit ist. Nur die olle Frau Rotkohl ist zuhause. Trotz des ausdrücklichen Verbots seines Papas macht sich das Sams an der (nicht explodierten) Wunschmaschine zu schaffen und wünscht sich etwas. Wir wissen ja schon, dass man bei dieser Maschine sehr genau wünschen muss, sonst kommt Quatsch heraus. In diesem Fall kann die Maschine nicht unterscheiden zwischen einem Drachen, den man an einer Schnur in die Luft steigen lässt, und einem lebendigen Fabelwesen. Und so bekommt das Sams einen Kumpel, den es natürlich vor Papa Taschenbier und Frau Rotkohl verstecken muss. Wohin das wohl führt? Gibt es überhaupt echte Drachen? Und wo kommt das Tier her?

„Der Stuhl polterte durch das Zimmer, stieß gegen den Schreibtisch und blieb da liegen.

‚Au!‘, schrie das Sams. Es war auf etwas Stacheligem gelandet.

Gleichzeitig rief noch jemand: ‚Au!‘

Das Sams stand auf und schaute, wer da unter ihm gerufen hatte.

Es hatte auf einem Drachen gesessen. Aber es war kein Stoffdrachen.“ (S. 43)

Das Sams ist lustig wie immer und reimt die ganze Zeit, sogar die Kapitelüberschriften. Der kleine blaue Drache ist niedlich beschrieben und macht natürlich Unsinn mit dem Sams. Mir gefällt diese Geschichte besser als einige der späten Sams-Bände, in denen Herr Taschenbier selber schon Vater ist. Sie ist näher am ursprünglichen Charme der ersten Bände. Die farbigen Illustrationen dieses Bandes sind von Paul Maar selbst. Die finde ich ebenfalls schöner als die Bilder der Neuauflagen der ersten Bände. Das liegt vielleicht an der Gewohnheit. Schließlich begleite ich das Sams schon seit den 70er Jahren. Seine roten Haare müssen einfach bürstenmäßig nach oben stehen und richtig stachelig aussehen.

Hoffentlich bleibt uns Paul Maar noch lange erhalten und schreibt weiterhin so schöne Sams-Geschichten im ursprünglichen Setting. Die machen mir am meisten Spaß.

Das Sams und der blaue Drache, Paul Maar, Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 2020, 186 Seiten, 13,00 EUR

(Die Verwendung des Coverbildes erfolgt mit freundlicher Erlaubnis des Verlags.)

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Streulicht, Deniz Ohde

Dieser sehr gelungene Debütroman hat es dieses Jahr auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft und den Aspekte-Literaturpreis gew...