Montag, 27. Januar 2020

Der Hund, der sein Bellen verlor, Eoin Colfer

Eigentlich bin ich keine ausgesprochene Hundeliebhaberin, aber dieses Buch über die Freundschaft zwischen einem jungen Hund und einem Jungen gefällt mir sehr, auch wegen der niedlichen Bilder. Wenn Ihr wissen wollt, was ein Hundeblick ist, der einem das Herz zum Schmelzen bringt, schaut Euch diese filigranen Bleistiftzeichnungen von P. J. Lynch an. So schön!

Die Geschichte beginnt doppelt traurig. Ein Hundewurf wird geboren, die Welpen werden einzeln verkauft, müssen sich also voneinander und von ihrer Mutter trennen. Ein Hund hat es schlecht getroffen, er kommt zu einer Familie, die gar nicht gut zu ihm ist. Sie wissen nicht mit ihm umzugehen, geben ihm schlechtes Futter, tun ihm weh und sperren ihn ein, bis sie ihn schließlich aussetzen. Im Tierheim erblickt Patrick den Hund, der ängstlich und allein in einer Ecke sitzt. Weil der Hund einen weißen Fleck im Fell hat, der an die Form Australiens erinnert, nennt Patrick den Hund Oz. Er nimmt ihn mit nach Hause, obwohl der Tierpfleger ihn gewarnt hat, dass es mit dem Hund schwierig werden würde. Der Hund ist so traumatisiert, dass er nicht einmal mehr bellt.
„Aber man konnte Jungen nicht trauen. Sicher, anfangs lächelten sie viel, aber dann kam im Handumdrehen der Piksfinger. Darum verhielt sich Hund so still, wie er nur konnte, und blieb in seiner Box.
Nach langer Zeit schlief der Junge ein. Hund merkte, dass der Junge wirklich schlief, weil Menschen anders riechen, wenn sie schlafen. Kälter.
Hund streckte die Nase aus der Box und schnüffelte. Der Duft stieg in seine Nase. Er machte ihn zugleich hungrig und satt, er zog ihn stärker als jedes Seil aus der Box und in Richtung dieses Futterdings.“ (S. 53)
Patrick muss sich alle Mühe geben, das Vertrauen des Welpen zu gewinnen, denn Oz hat gelernt, dass die Menschen böse sind. Dazu versucht er eine Menge Tricks, sein Opa und seine Mutter helfen ihm. Patrick verbringt mit seiner Mutter nämlich gerade die Sommerferien bei seinem Opa. Sein Vater ist nicht dabei, er ist Musiker und auf Tournee. Sonst ist er immer wenigstens für kurze Zeit im Sommer zu Opa gekommen, um Zeit mit der Familie zu verbringen. Warum kommt der Vater dieses Jahr nicht? Patrick durfte früher nie einen Hund haben, weil sein Vater eine Hundeallergie hat. Wieso erlaubt seine Mutter es jetzt auf einmal? Sie meint doch sicher nicht, dass Patrick Oz nach den Ferien bei Opa lassen muss?

In dieser Geschichte hilft einerseits Patrick dem Hund, sein Bellen und sein Vertrauen in die Welt wiederzufinden. Andererseits muss Patrick mit einer schwierigen Situation in seiner Familie zurechtkommen, die ihn sehr traurig macht. Zum Schluss trägt Oz dazu bei, Patricks Problem zu lösen.

Kinder und junge Hunde sind eine gute Kombination. Durch die verschiedenen Erzählstränge aus Sicht des Hundes einerseits und des Jungen andererseits geht das Buch über eine niedliche Tiergeschichte weit hinaus.

Der Hund, der sein Bellen verlor, Eoin Colfer, aus dem Englischen von Ingo Herzke, illustriert von P.J. Lynch, Orell Füssli Verlag, Zürich 2019, 144 Seiten, 12,95 EUR

(Die Verwendung des Coverbildes erfolgt mit freundlicher Erlaubnis des Verlags.)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Die Zeuginnen, Margaret Atwood

Gleich nachdem ich „Der Report der Magd“ beendet hatte (vgl. meine Rezension ), musste ich die Fortsetzung „Die Zeuginnen“ lesen. Ich wa...