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Samstag, 3. Dezember 2022

Wenn ich mich in die Weihnachtsgeschichte hineinbeamen könnte, wäre ich…

… gern der Stern von Bethlehem. Dann wäre ich von Gott beauftragt, ein ganz besonderes Ereignis zu beleuchten. Licht in die Dunkelheit zu bringen, ist als Stern ja sowieso meine Aufgabe, das kann ich gut. Aber Gott hat mich gebeten, zu einer bestimmten Zeit ganz genau über Bethlehem stehen zu bleiben. Normalerweise ziehe ich im Laufe der Nacht meine Runde und bleibe nicht stehen, aber in diesem Dezember vor langer Zeit habe ich eine Ausnahme gemacht, weil Gott es so wollte. Er sagte, es solle ein Kind geboren werden.

Es war schon spät am Abend, da sah ich eine müde Frau mit rundem Bauch und ihren Mann von Haus zu Haus ziehen, aber niemand ließ sie ein. Ich strengte mich mächtig an und leuchtete über dem Eingang einer Höhle, die als Stall für Tiere benutzt wurde. Hier müsst ihr schauen, hier ist noch ein trockenes, geschütztes Plätzchen! Unter meinem freundlichen Schein traten sie ein. Ich konnte von draußen nichts sehen, aber auf einmal hörte ich außer dem Schnauben und Muhen der Tiere ein kleines Baby schreien. Es ist da! Es ist geboren!

Ich wusste, ich darf jetzt nicht nachlassen. Alle brauchen Licht in dieser besonderen Nacht. Die Hirten schauen in jeder Nacht zu mir auf, das weiß ich. Sie orientieren sich an mir. Aber jetzt schien ich besonders hell und zwinkerte ihnen zu, was ich sonst nie mache. Sie verstanden und liefen mir entgegen. Ich führte sie zum Stall und zu dem besonderen kleinen Jungen. Man kann arme Leute so kurz nach einer Geburt in der Fremde ja nicht einfach allein lassen, sie brauchen vielleicht Hilfe, auch das verstanden die Hirten sofort.

Plötzlich leuchtete außer mir noch etwas ganz anderes, etwas viel Helleres in dieser Nacht. Gottes Engel, ganze himmlische Heerscharen kamen auf die Erde herab und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie. Da begriffen die Hirten, dass sie Zeuge eines Wunders geworden waren. Weit, weit entfernt begriffen das auch andere Menschen, weise Männer, die sich als Sterndeuter auskannten und wussten, wenn ich von meiner Nachtrunde abweiche und zwinkere, dann hat das etwas zu bedeuten. Dann ist das ein Zeichen Gottes, das ich weitergebe. Ich blieb noch viele Tage direkt über dem Stall stehen und leuchtete, so sehr ich konnte. Denn Gott wollte, dass alle Menschen von seinem Wunder um das kleine Kind erfahren sollten. Ich blieb so lange, bis drei heilige Könige in Bethlehem ankamen und dem göttlichen Kind Geschenke brachten. Das größte Geschenk aber war das Kind selbst, das Gott der Welt gegeben hatte. Und ich bin sehr stolz, dass ich mein kleines Licht neben dem großen Licht Jesus leuchten lassen durfte, das in dieser Nacht für immer in die Welt kam.

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Ein Gedankenexperiment der Buch-Lady (Anka Willamowius) im Dezember 2022.

 

Samstag, 28. Dezember 2019

Erika oder Der verborgene Sinn des Lebens, Elke Heidenreich, Michael Sowa

Es ist kurz vor Weihnachten und Betty fühlt sich – wer kennt das nicht? – leer und ausgebrannt. Zuviel gearbeitet, Akku leer, und nun auch noch Weihnachten. Da bekommt Betty einen Anruf ihres Verflossenen, Franz, der sie über die Feiertage zu sich nach Lugano einlädt. Nur so, ganz freundschaftlich. Betty sagt zu, sie hat eh nichts Besseres vor. 

Bevor Betty sich an Heilig Abend in den Zug nach Lugano setzen kann, muss ein Weihnachtsgeschenk für Franz her. Betty geht ins KaDeWe, da wird sich doch etwas finden lassen. So kommt Betty zu Erika, einem lebensgroßen rosa Stoffschwein. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Erika sitzt einfach da und sieht so aus, als ob sie Erika heißt. Sie muss mit!

„Es sah aus wie ein Mensch, und ich weiß nicht, wieso ich auf ‚Erika‘ kam, aber es war wirklich mein erster Gedanke. (…) Sie war aus hellrosa Plüschfell, hatte vier stramme dunkelrosa Beine, einen dicken Kopf mit leicht geöffneter Schweineschnauze, weichen Ohren und etwa markstückgroßen himmelblauen Glasaugen mit einem unbeschreiblichen Ausdruck – vertrauensvoll, gutmütig, neugierig und mit einer Art gelassener Pfiffigkeit, die zu sagen schien: Was soll all die Aufregung, nimm es, wie es kommt, sieh mich an, ich bin nur ein Plüschschwein im KaDeWe, aber ich bin ganz sicher, dass das Leben einen wenn auch verborgenen Sinn hat.“ (S. 15/16)
Seid Ihr schon mal mit einem lebensgroßen Plüschschwein verreist? Verpacken lässt es sich natürlich nicht. Man kann es nur an den Körper pressen und vor sich her tragen. Oder auf den Sitz neben sich setzen. Ein Plüschschwein hat eine erstaunliche Wirkung auf seine Umgebung. Vielleicht sollten wir alle eins mit auf Reisen nehmen? Wir begleiten Betty und Erika in der Feiertagshektik in den Zug. Doch die Reise nimmt einen überraschenden Verlauf. Ob daran nur Erika schuld ist?

Eine kurze, vergnügliche Weihnachtsgeschichte, ganz ohne Kitsch, mit herrlichen Illustrationen von Michael Sowa. Erika muss man sofort ins Herz schließen. Ihr Blick ist wirklich einmalig. Und mit Bettys Gedanken können sich sicher viele von uns vor dem Fest identifizieren. Wohl dem, der dann ein Schwein bei sich hat.

Süße Geschichte mit schönen Bildern, kurzweilige Unterhaltung für stressfreie Weihnachtstage.

Erika oder Der verborgene Sinn des Lebens, Elke Heidenreich, Michael Sowa, Sanssouci im Carl Hanser Verlag, München Wien 2002, 56 Seiten, 10,00 EUR

(Die Verwendung des Coverbildes erfolgt mit freundlicher Erlaubnis des Verlags.)

Freitag, 27. Dezember 2019

Ein Weihnachtsgeschenk für Walter, Barbara Wersba


Walter ist eine echte Leseratte. Er kann lesen ohne es je lernen zu müssen. Er konnte es einfach irgendwann. Ach ja, und er ist eine Ratte. Weil er keinen Namen hatte, hat er sich selbst nach Sir Walter Scott, dem schottischen Schriftsteller benannt. Nach vielen anderen Unterschlüpfen hat Walter das perfekte Heim gefunden. Er wohnt nun im Haus von Miss Pomeroy, einer älteren Kinderbuchautorin. Sie hat eine – etwas unordentliche – Bibliothek, aus der Walter sich nach Herzenslust Lesestoff ausleiht. Selbstverständlich leiht er die Bücher nur über Nacht, wenn Miss Pomeroy schläft und stellt sie am frühen Morgen ordentlich zurück ins Regal.

Miss Pomeroy ist etwas menschenscheu und meist allein. Ist sie vielleicht so einsam wie Walter sich manchmal fühlt? Walter möchte zu gern wissen, was für Kinderbücher Miss Pomeroy so schreibt. Schließlich findet er ihre Bücher in der Bibliothek und ist empört: Sie handeln alle von Mäusen! Kein einziges über eine Ratte dabei! Dabei sind Ratten doch viel schlauer als Mäuse, auch wenn die Menschen das noch nicht mitbekommen zu haben scheinen. Daran muss sich etwas ändern, findet Walter. Er hat auch schon eine Idee…

„Walter spürte Miss Pomeroys Einsamkeit so intensiv wie seine eigene, aber er wusste nicht, was er dagegen tun sollte. Seine Sorge war, dass sie, sobald sie ihn entdeckte, mit Abscheu reagieren würde wie all die anderen Menschen, die ihm bisher begegnet waren. Der Gedanke, sie könne in Ohnmacht fallen, war ihm unerträglich. Unerträglich auch die Vorstellung, sie könne losstürzen und Rattengift kaufen.“ (S. 16)

Walter ist eine ganz zauberhafte Ratte, und so ganz anders, als Menschen sich Ratten vorstellen. Er ist sehr reinlich und hinterlässt keine Köttel. Und ordentlicher als Miss Pomeroy ist er sowieso. Vielseitig interessiert und belesen ist Walter und natürlich überträgt er keine schrecklichen Krankheiten. Warmherzige Zeichnungen begleiten uns durch das wunderschön gestaltete Buch. Walter wird dem Leser sofort sympathisch. Er kämpft gegen Vorurteile, ist aber auch zur Rücksichtnahme auf die griesgrämige Hausherrin bereit. So eine Leseratte würde ich auch beherbergen.

Ein zauberhaftes Weihnachtsbuch mit schönen Illustrationen. Ein Wohlfühlbuch für Leseratten jeden Alters!

Ein Weihnachtsgeschenk für Walter, Barbara Wersba, aus dem Englischen von Barbara Küper, Illustrationen von Donna Diamond, Tulipan Verlag, München 2007, 64 Seiten, 14,90 EUR

(Die Verwendung des Coverbildes erfolgt mit freundlicher Erlaubnis des Verlags.)

Mittwoch, 27. November 2019

Die schönsten Weihnachtsbücher für Kinder ab 8

1. Der zauberhafte Wunschbuchladen, Bd. 5: Weihnachten mit Frau Eule, Katja Frixe
 
Aus den vorangegangenen Bänden kennt ihr vielleicht schon Frau Eules zauberhaften Wunschbuchladen, in dem es den reimenden Kater Gustav und den sprechenden Spiegel Herrn König gibt. Frau Eules Laden ist festlich dekoriert. Es gibt sogar einen Adventskalender für die Kunden. Clara freut sich auf Weihnachten. Ihre beste Freundin Lene kommt zu Besuch. Das Wiedersehen gestaltet sich dann aber zu Beginn etwas holprig.

Clara ist sich nicht sicher; ist Frau Eule wirklich glücklich damit, das Weihnachtsfest in ihrem Laden nur in Gesellschaft von Gustav und Herrn König zu feiern? Clara und ihre Freunde Lene und Leo denken sich etwas aus, damit alle ein fröhliches Fest haben. Aber ob das so kurzfristig noch klappt?

Ein herrlich duftiges Weihnachtsbuch mit wunderschönen Illustrationen über gemütliches Buchschmökern, Gaustavs Reime und tolle Geschenken. Das bringt in Weihnachtsstimmung!

Der zauberhafte Wunschbuchladen, Bd. 5: Weihnachten mit Frau Eule, Katja Frixe, Illustrationen von Florentine Prechtel, Dressler Verlag, Hamburg 2018, 176 Seiten, 13,00 EUR

Zusatz-Info:
Meinen Rezensionen der früheren Bände des Zauberhaften Wunschbuchladens findet ihr hier verlinkt: Band 1, Band 2, Band 3 und Band 4.


2. Das Sams feiert Weihnachten, Paul Maar

Bestimmt habt Ihr schon vom Sams gehört („Eine Woche voller Samstage“), das mit seinen blauen Wunschpunkten im Gesicht zu seinem Papa Herrn Taschenbier gekommen ist. In diesem Band feiert das freche Sams sein erstes Weihnachtsfest. Zuerst weiß es gar nicht, was es mit diesem Fest auf sich hat. Dann fängt es an zu schneien und Herr Taschenbier muss dafür sorgen, dass das Sams wärmende Kleidung bekommt. Sein Taucheranzug ist einfach zu dünn für den Winter. Ein Besuch im Kaufhaus steht an. Und wer das Sams kennt weiß, welches Chaos es dort schon das letzte Mal angerichtet hat.

Wusstet Ihr eigentlich, dass es nicht nur ein Sams gibt, sondern viele, die in der Sams-Welt leben? Dorthin muss Herrn Taschenbiers Sams schnell zurück, denn es plant eine Weihnachtsüberraschung für seinen Papa. Dazu braucht es die Hilfe von Pauker-Sams und Mini-Sams. Ob sie wohl rüber kommen, um auch Weihnachten zu feiern? Und wie wird Frau Rotkohl das finden?

Eine aufregend-schrille Weihnachtsgeschichte voller Wünsche, Sams-Gedichte und origineller Festvorbereitungen. Macht Spaß!

Das Sams feiert Weihnachten, Paul Maar, Illustrationen von Nina Dullek, Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 2017, 160 Seiten, 13,00 EUR


3. Emmi & Einschwein, Bd. 4: Kein Weihnachten ohne Puddingschuhe!, Anna Böhm

Einschwein ist vielleicht ein gedanklicher Bruder des Sams, denn es ist auch nicht von dieser Welt. Mit seinem goldenen Horn vollbringt das freche, lustige Schwein kulinarische Magie. Na ja, manchmal geht sie ein bisschen schief, dann kommen Puddingschuhe dabei heraus. In dieser Geschichte ist das aber nicht immer von Nachteil.

Emmi und Einschwein kommen dahinter, dass es dieses Jahr ein kleines Problem bei den Weihnachtswichteln gibt. Ein Wichtel verschickt seltsame Briefe als Antwort auf die Wunschlisten der Kinder. Dabei ist es doch Einschweins erstes Weihnachten, das wunnerwonnig-schön werden soll! Emmi, Einschwein und der Rest der Familie samt Fabelwesen machen sich also auf, die Sache zu klären. Aber als dann auch noch die Wunschzettel geklaut werden, wird es ganz schön brenzlig!

Weihnachten ohne Einschwein wäre nur halb so schön! Freut Euch supidoll aufs Fest und lasst Euch von Wichteln, Fluxen und frierenden Drachen verzaubern.

Emmi & Einschwein, Bd. 4: Kein Weihnachten ohne Puddingschuhe!, Anna Böhm, Illustrationen von Susanne Göhlich, Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 2019, 240 Seiten, 13,00 EUR

Zusatz-Info:
Meine Rezension zu Band 1 der Reihe Emmi & Einschwein findet Ihr hier.

Dienstag, 26. November 2019

Reclams Adventskalender, Stephan Koranyi / Gabriele Seifert

Mit großen Schritten naht der 1. Dezember. Habt Ihr schon einen Adventskalender? Nur für die Kinder?! Also, ich möchte auch als Erwachsene nicht ohne sein. Aber jeden Tag Schokolade zu essen, kommt nicht für jeden in Frage. Dann nehmt doch einfach ein Buch! Das macht nicht dick und entspannt auch.

In Reclams Adventskalender sind für 24 Tage 26 Geschichten und Gedichte verschiedenster Autorinnen und Autoren versammelt. (Von den Gedichten gibt es auch mal zwei pro Tag.) Das Büchlein hat das bekannte kleine Reclam-Format, kann also problemlos auch für die morgendliche Bahnfahrt zur Arbeit verstaut werden. Allerdings hat es einen schönen Hardcover-Einband, der knittert dann nicht so in der Tasche. Mit 3 Minuten Lesezeit pro Tag kommt man aus, um dieses Büchlein zu genießen.

In den Kurzgeschichten geht es um altbekannte Weihnachtssituationen, z.B. wenn die Kinder den Sinn des Türchenkalender falsch verstehen und lieber mehrere Türchen an einem Tag öffnen möchten, was frau so während der Weihnachtseinkäufe erleben kann oder was passieren kann, wenn Erwachsene sich als Nikolaus verkleiden. Ein klassisches Märchen ist dabei sowie Gedichte z.B. von Ringelnatz oder Eichendorff, aber auch von unbekannteren Verfassern.

Besonders gut hat mir eine Geschichte von Sams-Erfinder Paul Maar gefallen, „Weihnachtsüberraschungen“. Darin wird geschildert, wie ausgeklügelt die Planung der Überraschungen zur Bescherung ist – und warum sie vollkommen sinnlos ist. Natürlich kommt doch alles anders.

„Wenn ich versuche zurückzudenken, dann gibt es nicht viele Weihnachtsabende, an die ich mich noch genau erinnern kann. Die Erinnerungen verwischen und vermischen sich mit der Zeit, weil sie sich zu sehr ähneln. (…)
Aber das aufregendste Weihnachtsfest war zweifellos das, als Vater den Christbaum aus dem Fenster warf.“ (S. 78, Paul Maar, Weihnachtsüberraschungen)

Adventskalender sind nicht nur etwas für Kinder! Wer darauf verzichtet, ist selber schuld, wenn im Advent keine Stimmung aufkommt.

Reclams Adventskalender, diverse Autoren, zusammengestellt von Stephan Koranyi und Gabriele Seifert, Philipp Reclam jun. Verlag, Ditzingen 2014, 2017, 104 Seiten, 10,00 EUR

(Die Verwendung des Coverbildes erfolgt mit freundlicher Erlaubnis des Verlags. Ich danke dem Verlag für das kostenlos zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.)

Alles überstanden?, Christian Drosten, Georg Mascolo

Die Corona-Pandemie hat uns alle geprägt, bewegt, zur Verzweiflung gebracht. Mich hat der Podcast von Christian Drosten durch die Pandemie...