Jeder Vielleser kennt es: Das Bücherregal ist übervoll, Bücher liegen in Stapeln auf dem Nachttisch, auf dem Boden oder blockieren die Fenster, die sich längst nicht mehr öffnen lassen. ;-) Da hilft nur ein Frühjahrsputz unter den geliebten Wälzern. Aber wohin mit den Büchern? Wir Booklover haben schließlich Respekt vor Gedrucktem, so dass die Papiertonne keine Alternative ist. Hier die 7 besten Tipps, von denen ich schon Gebrauch gemacht habe.
1. Bücher verkaufen (enthält unbezahlte Werbung)
Es gibt einen großen Markt für gebrauchte Bücher, sofern sie in gutem Zustand sind und nicht zu alt (je nach Händler sind 10-20 Jahre die Schmerzgrenze). Echte Antiquitäten und rare Erstausgaben sind hier natürlich nicht gemeint. Diese haben aber auch die wenigsten von uns abzugeben. Nachlässe mit Nachkriegstaschenbüchern eignen sich gewöhnlich leider nicht zum Verkauf. Derartige Buchnachlässe in antiquarische Buchhandlungen zu schleppen, kann man sich in der Regel sparen.
a. Verkauf in Mengen
Sehr komfortabel
ist der Verkauf größerer Mengen von Büchern über die Website oder (noch
einfacher) die App der Firma Momox (
www.momox.de). Online kann man die ISBN-Nummer oder
den Titel eingeben, über die App sogar einfach den Strichcode des Buches
scannen und bekommt sogleich den Ankaufspreis genannt. Außer bei sehr
neuen und gefragten Büchern ist der Preis meist nicht sehr hoch (ab 0,15
EUR). Manchmal ist der Preis aber auch überraschend hoch. Das
entscheidet offenbar ein Algorithmus, dessen System sich mir nicht
erschließt. Hat man einen Ankaufspreis von mindestens 10,00 EUR
zusammen, zahlt Momox das Porto für die Einsendung der Bücherkiste
(Retourenaufkleber). Der Ankaufspreis wird auf das eigene Konto
überwiesen. Manchmal hilft es, CDs oder DVDs mit zu verkaufen, um die 10
EUR voll zu kriegen.
Ähnlich läuft der Verkauf über die Firma rebuy (
www.rebuy.de).
Es gibt weitere gewerbliche Ankäufer, die ich allerdings selbst noch
nicht ausprobiert habe. Einfach mal „gebrauchte Bücher verkaufen“
googeln. Einen Test der verschiedenen Ankäufer hat die Zeitschrift Stern
kürzlich veröffentlicht, nachzulesen unter
https://www.stern.de/vergleich/buecher-verkaufen/. Auch der Vergleich bei
https://www.lesen.net/buecher-verkaufen/ ist sehr hilfreich und gibt Verkaufstipps.
b. Einzelverkauf
Mehr
Mühe macht der Verkauf einzelner Bücher an verschiedene Käufer, kann
aber auch mehr Geld bringen. Hier ist Amazon Marketplace (
www.Amazon.de)
ein großer Markt. Allerdings werden häufige Bücher hier von Dutzenden
von Verkäufern zu Niedrigstpreisen (0,01 EUR zzgl. 3 EUR Versand)
verschleudert, so dass der Verkauf frustrierend sein kann. Weitere
Onlinemöglichkeiten sind
www.booklooker.de oder ebay (
www.ebay.de oder
www.ebay-kleinanzeigen.de).
Den
guten alten
Flohmarktstand gibt es natürlich auch noch, was aber recht
zeitintensiv und mit Einsatz (Standmiete) verbunden ist. Meiner
Erfahrung nach gehen auf dem Flohmarkt vor allem aktuelle Kinderbücher
und bekannte aktuelle (Bestseller-)Romane, alles andere muss man oft
wieder mit nach Hause nehmen.
2. Bücher verschenken
Wenn
Ihr ein Buch gelesen habt, wisst Ihr auch, ob es gut ist und wem es
noch gefallen könnte. Wenn Geburtstage oder Weihnachten bevorstehen,
könnt Ihr Geschenke im eigenen Bücherregal suchen. Ich finde nichts
dabei Bücher zu verschenken, die ich bereits gelesen habe. Dies setzt
allerdings voraus, dass man das Buch pfleglich behandelt hat und es noch
einigermaßen gut aussieht. In meiner Familie haben wir die Absprache
getroffen, dass wir alle das Verschenken gebrauchter Bücher ok finden,
auch wenn sie z.B. gebraucht über eine der o.g. Internetplattformen
bestellt wurden. Denn das bedeutet in der Regel: Der Beschenkte bekommt
fürs gleiche Geld mehr Bücher.
3. Bücher frei lassen
Aber
was ist, wenn ich ein gelesenes Buch eben nicht gut finde oder eins
geschenkt bekommen habe, mit dem ich absolut nichts anfangen kann? Das
mag ich dann nicht guten Gewissens der Freundin schenken. Das heißt aber
noch nicht, dass das Buch niemanden interessieren könnte. Diese Bücher
kann man an verschiedenen Orten „frei lassen“, an denen viele andere
Leute vorbeikommen und sie mitnehmen können. Dazu kann man einen
gefüllten Bücherkarton mit der Aufschrift „zu verschenken“ vor die
Haustür stellen, im Büro in die Teeküche oder an einen belebten
Durchgang, Kinderspielplatz o.ä. (Nett wäre es allerdings, wenn man die
Reste ggf. gelegentlich entsorgt und die Kiste nicht draußen im Regen
stehen lässt.)
Einzelne Bücher kann man auf der
Parkbank, in der U-Bahn oder an der Bushaltestelle liegen lassen. (Machen viele auch mit Zeitungen.) Der
Nächste freut sich vielleicht. In Hamburg gab es im Sommer 2018 ein
Literaturfestival in Planten un Blomen (einem Park), bei dem
ausdrücklich zum Bücherfreilassen aufgefordert wurde, so dass Menschen
gezielt im Park nach solchen Büchern geschaut haben.
4. Bücher tauschen
Wenn
man den Büchergeschmack seiner Bekannten nicht genug einschätzen kann,
um ihnen Bücher direkt zu schenken, kann man diese zu einem
Büchertausch-Abend einladen. Jeder bringt seine ausgelesenen oder
ungeliebten Bücher mit und jeder darf sich von den anderen aussuchen,
was er mag. Dazu kann man Freunde, Kolleginnen oder Nachbarn einladen.
Vielleicht ergeben sich dabei ein paar schöne Gespräche über Bücher?
Unkomplizierte
Büchertauschbörsen unterhalten oft Nachbarschaftstreffs, Kirchengemeinden und
gemeinnützige Organisationen. Diese Organisationen stellen einen
wettergeschützten Ort zur Verfügung (mal drin, mal draußen), an dem
Bücher von jedermann abgelegt oder kostenlos mitgenommen werden dürfen.
Das Goldbekhaus in Hamburg-Winterhude hat beispielsweise einen Schrank
im Hof stehen, dessen Schiebetüren unverschlossen sind und der eine
solche Tauschbörse beinhaltet. (Gleich daneben ist übrigens ein Schrank,
in dem man auf die gleiche Weise nicht benötigte Lebensmittel teilen
kann, tolle Sache.)
5. Bücher spenden (enthält unbezahlte Werbung)
Das Spenden
von Büchern wird immer schwieriger, weil viele Organisationen wie
öffentliche Bibliotheken, Seniorenheime oder Krankenhäuser die Massen von Büchern als lästig
empfinden, insbesondere wenn diese älter sind (aus Nachlässen o.ä.).
Eine Nachfrage lohnt sich meiner Erfahrung nach aber z.B. in
Kirchengemeinden, wo es teilweise Bücherflohmärkte gibt, bei denen die
Bücher zu kleinen Preisen zu Gunsten der Gemeindearbeit verkauft werden.
Insbesondere wenn man nicht gleich den ganzen Nachlass mitbringt,
sondern nur ein bis zwei Kartons voll, ist das erfolgversprechend. (Im
Zweifel große Mengen auf mehrere Stellen verteilen.)
Über
Bücherspenden freuen sich oft
Sozialkaufhäuser. Diese werden in Hamburg
z.B. von der Stadtreinigung betrieben oder von gemeinnützigen
Organisationen, z.B. die Kleiderkammer der Elisabeth Kirche in
Hamburg-Eidelstedt, die neben Kleidung auch Bücher und
Haushaltsgegenstände einmal wöchentlich annimmt, siehe
https://www.kirche-hamburg.de/gemeinden/ev-luth-kirchengemeinde-eidelstedt/hilfen-zum-leben/kleiderkammer-und-buecherstube.html.
Die
Aktion Buch e.V. unterhält viele Annahmestellen / Sammelboxen für gebrauchte Bücher an gut erreichbaren Orten (z.B. Sparkassenfilialen). Angenommen werden Bücher, die nach 1998 gedruckt wurden. Sie werden von Menschen mit Behinderungen sortiert und an gemeinnützige Organisationen weitergeleitet oder für wohltätige Zwecke verkauft. Annahmestellen findet Ihr unter
http://www.aktion-buch.de/buecher-spenden/.
Ein
heißer Tipp für
fremdsprachige Bücher, insb. in Sprachen wir Türkisch,
Russisch, Polnisch oder Arabisch ist die Spende an die örtliche
Gefängnisbibliothek. Inhaftierte dürfen keine Bücher von daheim mit in
die Zelle nehmen. Deutschsprachige Bücher sind in der
Gefängnisbibliothek meist genügend vorhanden, bei Fremdsprachen sieht es
aber oft sehr mager aus. Einfach mal fragen.
6. Mit Büchern basteln

Wenn
ein Buch absolut nicht mehr zum Lesen taugt, kann man immer noch viel
damit machen, z.B. Dekoartikel für das eigene Regal oder als Geschenk
basteln.
Man kann Objekte wie Kerzenständer aus Büchern falten,
Ostereier aus Buchseiten ausschneiden oder Collagen kleben. Es gibt jede
Menge Anleitungsbücher zu kaufen und tolle Anleitungsvideos auf
YouTube.
7. Alle Bücher behalten
Und
wenn das alles nichts ist, man sich einfach nicht von seinen Schmökern
trennen kann, dann muss man sie einfach behalten! Es gibt viele
Buchliebhaber, die sich schon über die Überschrift dieses Artikels
empören werden und rufen: „Bücher weggeben? Niemals!“ oder „Es gibt
nicht zu viele Bücher, nur zu wenig Regale!“
Dann könnt
Ihr Euch (je nach Geldbeutel) behelfen, indem Ihr Platz in der Wohnung
für mehr Regale schafft, indem Ihr anderen Kram und Möbel aussortiert
(was braucht man schon groß außer Büchern?!), eine Zweitwohnung zur
Einrichtung einer Bibliothek anmietet (dann endlich mit Leitern und
eigenem Katalog) oder einen Lagerraum mietet, wo allerdings die
Benutzbarkeit der Bücher etwas eingeschränkt ist. Es soll auch Leute
geben, die Bücher als Möbel benutzen, die Esstischplatte auf vier
Bücherpfosten legen oder Bücher zu Nachttischen oder Hockern aufstapeln.
Die Benutzbarkeit leidet aber auch dabei.
Vergesst dabei aber bitte nicht:
Bücher wollen gelesen, angekuckt und benutzt werden! Sie verkümmern und
verschimmeln, wenn sie achtlos und ungeordnet in Kartons im Keller gelagert
werden. Jedes Buch, das ich gelesen habe, ist in meinem Herzen und hat eine
kleine Veränderung in mir bewirkt, die bei mir bleibt, auch wenn ich das
körperliche Buch nicht mehr besitze.
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